Mein Aupair Jahr in England

Schon während meiner Schulzeit stand fest, dass ich nach meinem Abitur als Aupair nach England gehen möchte. Amerika kam für mich nie in Frage, denn ich war fasziniert von dem „British English“ und der typisch englischen Lebensart.
Also bewarb ich mich bei einer Aupair Agentur in Deutschland, die mich an eine Gastfamilie vermitteln sollte. Mir wurde gesagt es würde ein bis zwei Monate dauern eine passende Familie zu finden doch bereits nach 2 Tagen hatte ich eine Email von der Agentur in meinem Postfach mit der Nachricht, dass man die perfekte Familie für mich gefunden habe.

Die Familie war ein „perfect match“, weil in meiner Bewerbung die Leidenschaft zum Reitsport herausgestochen hatte und meine zukünftige Gastfamilie ein Aupair brauchte, dass sich neben den Kindern im Teenager-Alter auch um ihre zwei Pferde kümmert. Ich war außerdem überglücklich als ich hörte, dass die Familie in einem riesigen Landhaus im Süden Englands wohnte und ich in nur einer Stunde mit dem Zug in London sein könnte.

Am Tag der Abreise brachten mich meine Eltern und Großeltern zum Flughafen und in mir herrschte ein Gefühlschaos, denn ich war unheimlich aufgeregt und traurig zur gleichen Zeit. Als dann meine besten Freundinnen überraschend am Flughafen auf mich warteten, waren die Tränen nicht mehr zurückzuhalten. Doch als ich schließlich im Flugzeug saß, war die Traurigkeit vergessen und die Aufregung siegte.

Meine Gastfamilie nahm mich sofort herzlich in die Familie auf und ich fühlte mich pudelwohl. Überraschend war für mich allein die Tatsache, dass ich trotz sehr guter Englischnoten und zwei Jahren Englisch Leistungskurs häufig mit der Sprache an meine Grenzen kam. Mir wurde schnell klar, dass der Englischunterricht einem nicht annähern so viel beibringen kann, wie eine Sprachreise nach England, denn viele Alltagswörter werden im Unterricht gar nicht vermittelt.

Bereits die Frage meines Gastvaters ob ich bitte den Wasserkocher anmachen könnte verstand ich nicht, da wir im Leistungskurs nur abgehobene Themen wie die Rassentrennungspolitik der weißen Partei während der Apartheid in Südafrika behandelten, nicht aber die Vokabeln für Haushaltsgeräte.

Auch die Landschaft in Südengland hat es mir angetan, besonders weil ich sie zu Pferd erkunden konnte. Am Wochenende fuhr ich oft mit Freunden an den Strand nach Bournemouth oder Southampton, wo man auch gut feiern und shoppen kann. Auch heute noch verbringe ich gerne meinen Urlaub dort, weil es einfach so schön ist und die Gegend so viele Erinnerungen an damals weckt.

Alles in allem, war mein Auslandsjahr trotz Höhen und Tiefen eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Die Zeit hat mir auch eine gewisse Reife gegeben und mich gelehrt Verantwortung zu übernehmen, was mir auch heute noch zu Gute kommt. Mein Wunsch ist, dass noch viel mehr Schüler und Studenten die Chance bekommen ins Ausland zu gehen und Erfahrungen außerhalb Deutschlands sammeln können.